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[P xx]

BWV2 Vorwort zur zweiten Ausgabe


Die Bachforschung hat ziemlich genau mit dem Erscheinen der ersten Ausgabe des Bach-WerkeVerzeichnisses im Jubiläumsjahr 1950 einen großen Aufschwung genommen, so daß sich eine Neufassung der bisherigen Resultate inzwischen als dringend notwendig erweist. Für den Herausgeber ist das nicht nur erfreulich, weil er eine fast unübersehbare Materialfülle zu bewältigen hatte und weil die Änderungen und Erweiterungen des vormals Festgestellten sicher nicht in allen Fällen die absolute und völlig unanfechtbare Wahrheit bringen. Und wenn ihm dazu noch am Herzen lag, den Charakter des Buches als Vermittelung von großen und kleinen Quellen zu jedem einzelnen Werk Bachs zu erhalten und zu erweitern, dann sind das Forderungen, die viel Zeit beanspruchen. Mit daran liegt es, daß die Leser dieses Buches zu meinem Bedauern so lange auf die grundlegend überarbeitete Neuauflage haben warten müssen.

Ein wichtiges Problem soll hier eigens erwähnt werden, weil es für das BWV von besonderer Bedeutung ist. Man erinnere sich daran, daß das Oeuvre Johann Sebastian Bachs nicht vollständig auf uns gekommen ist, daß weitere Kompositionen zu erahnen sind und daß die Struktur der überlieferten Werke nicht unbedingt immer die vollkommenste sein mag. Findiger Menschengeist hat sich seit langer Zeit bis auf den heutigen Tag bemüht, aus dem verborgenen Schatz neue Werke herzustellen; man nennt sie Rekonstruktionen.

Grundsätzlich ist festzuhalten, daß alle Versuche dieser Art abhängig sind von der individuellen geistigen Leistung der Hersteller dieser Experimente und daß ein auf diese Weise entstandenes Werk nicht von Johann Sebastian Bach stammt. Das BWV soll aber meines Erachtens ein Buch sein, das in erster Linie den von Bach selbst stammenden Werken zu dienen hat. Die Frage, ob irgend jemand ein Recht hat oder sich das Recht nehmen darf, mit den Werken eines der bedeutendsten Komponisten der Welt zu hantieren, soll hier nur angedeutet werden. Sicherlich ist anzuerkennen, daß sich unter der Vielzahl von Rekonstruktionen auch sehr ernsthaft erarbeitete Resultate befinden und daß Bach in besonderen Fällen (siehe die Ausführungen von Wilfried Fischer) gewissermaßen die Hand zur Rekonstruktion selbst gereicht hat. Man muß sie zur Kenntnis nehmen.

Den im BWV berücksichtigten Rekonstruktionen habe ich eigene Signaturen gegeben, damit ihre Besonderheit deutlich zum Ausdruck kommt. Es gibt also nun - um ein Beispiel anzuführen -ein BWV 1052 und ein BWV 1052R. Ich wäre erfreut und beruhigt, wenn dieser Vorschlag allenthalben angenommen würde.

Weiter möchte ich noch auf eine wesentliche Neuerung im neuen BWV zu sprechen kommen: Die erste Auflage hat dem Leser bereits die Möglichkeit gegeben, über Quellen zu den Werken Bachs Auskunft zu erhalten. Die autographen Handschriften waren zwar erfaßt, nicht aber die Abschriften. Das ist nun vervollständigt worden. Um diese Ergänzung einigermaßen praktisch und übersichtlich zu gestalten, habe ich Zahlen in Kreisen eingefügt. Sie beginnen mit (1) als Signum für die autographen Handschriften und setzen sich fort mit (2) bis (4) für Abschriften der ersten und zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Innerhalb des Textes dieser vier Gruppen sind die einzelnen Handschriften chronologisch aneinandergereiht. Gelegentlich kommen auch Zeichenkombinationen wie (2)+(3) oder (3)+(4) vor, die bedeuten, daß die betreffende Handschrift sowohl am Schluß der zweiten als auch am Anfang der dritten Gruppe usw. entstanden sein kann. Die zusätzlichen Ziffern (5) und (6) weisen darauf hin, daß die hier erwähnten Handschriften vom Verfasser nicht eingesehen werden konnten bzw. die angezeigten Handschriften zur Zeit verschollen sind (vgl. auch die Übersicht zu Beginn des Abkürzungsverzeichnisses).

Ferner ist für alle neu ins BWV aufgenommenen Werke Bachs ebenso wie bei allen Umstellungen einzelner BWV-Nummern innerhalb der systematischen Ordnung des BWV eine erweiterte
[P xxi] Signaturgebung erforderlich geworden, über deren Gebrauch der entsprechende Abschnitt der ergänzenden Bemerkungen (s. S. XLIII) informiert.

Über die Frage, wie weit das BWV in der Aufnahme zweifelhafter oder nicht erhaltener Kompositionen überhaupt gehen sollte, habe ich im Vorwort zur ersten Ausgabe bereits gesprochen und dabei eine Reihe nicht berücksichtigter Werke aufgezählt (S. XIII ff.). Einige von ihnen (Nr.1, 2, 5, 10, 30) haben nun im Anhang Platz gefunden (als neue Anhangnummern 194, 195, 197, 192, 190; Nr.28 war schon als Anh. 131 aufgenommen. Vgl. auch die Übersicht am Schluß der Anhänge). Die übrigen blieben bewußt beiseite, wie auch manche anderen inzwischen bekannt gewordenen Grenzfälle nicht aufgegriffen wurden.

Mit besonderer Absicht beschließe ich dieses kleine Vorwort mit meinem Dank für die große Hilfe, die mir auch bei der zweiten Ausgabe des BWV wieder zuteil wurde. Was mich bewegt, soll hier als letzte Worte einen eigenen, in sich abgeschlossenen Raum finden. Ich kann nicht alle lieben Hilfsbereiten aufzählen und muß die nicht genannten herzlich bitten, diese Worte auch auf sich zu beziehen.

Ich beginne mit dem Johann-Sebastian-Bach-Institut in Göttingen und nenne für alle Namen den des Herrn Dr. Alfred Dürr, der mir stets hilfsbereit zur Seite stand. Es folgen die beiden Berliner Bibliotheken, die über den größten Schatz an Bach'schen Handschriften verfügen und in den Personen von Frau Eveline Bartlitz und Herrn Dr. Rudolf Elvers meine gelegentlichen Anfragen und Bitten über das normale Maß hinaus erwiderten und erfüllten. Auch der Deutschen Forschungsgemeinschaft bin ich zu großem Dank verpflichtet, daß sie mir viele Jahre hindurch eine ständige Hilfskraft bei allen praktischen und wissenschaftlichen Arbeiten zur Verfügung stellte. Bis in die Herstellung des satzfertigen Manuskripts ging diese nimmermüde, mich spürbar entlastende Arbeit der Herren Herbert Schiffels, Stefan Koch und Thomas Welke, auf die im Laufe der langen Bearbeitungszeit nacheinander sehr vielseitige Anforderungen zukamen. Auch dem Verlag Breitkopf & Härtel, Wiesbaden, danke ich vielmals für seine Geduld und die nicht einfache Herstellung der Neuausgabe des BWV.

Für den Schluß meiner Danksagung habe ich den in seiner Art ungewöhnlichen Fall einer Hilfeleistung aufgehoben. Standen doch vor ungefähr zwei Jahren plötzlich meine Freunde, Herr und Frau Dr. Dorfmüller aus München, vor mir mit der Frage, ob sie mir noch bis zum Schluß der Arbeit helfen könnten. Wem das Glück so in den Schoß fällt - ich wußte sehr wohl, was noch alles zu tun war -, der überlegt nicht lange und greift zu. Und ich weiß nun, da das Manuskript abgeschlossen vorliegt, wie gut und segensreich diese Mithilfe gewesen ist. Kurt Dorfmüller ist weitgehend die Fertigstellung der drei Anhänge und auch manche neue Orientierung im Hauptteil des Buches zu danken. "Zu danken"? Hierfür müssen die richtigen Worte noch gefunden werden.

Freiburg i.Br., im September
des Bach-Gedächtnis-Jahres 1985

Wolfgang Schmieder

Postskriptum

Die Herstellung der Neuausgabe hat leider sehr viel mehr Zeit beansprucht, als ich ursprünglich erwartet hatte. In der Zwischenzeit sind - besonders aus Anlaß des Bach-Jubiläumsjahres 1985 -zahlreiche weitere wissenschaftliche Arbeiten über Bachs Werke erschienen, die hier mit ihren Ergebnissen nur ausnahmsweise noch ergänzend berücksichtigt werden konnten.

Dem Verlag möchte ich bestätigen, daß die - notgedrungen unvollständige - Verzeichnung der praktischen Ausgaben zu den einzelnen Werken Bachs allein auf der Auswahl des Autors beruht und vom Lektorat nicht beeinflußt worden ist.

Schließlich wiederhole und bekräftige ich von Herzen meinen Dank an Herrn Thomas Welke, der mir gerade in der letzten Phase der Korrekturen und der Registerarbeiten weitgehend und zunehmend selbständig zur Hand gegangen ist. Er hat sich durch seine verständnisvolle und stets wohl überlegte Hilfestellung um die Neuausgabe des BWV in hohem Maße verdient gemacht.


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Last modified on: 07-02-2000 13:30:00.
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